Unter diesem Motto stand der Vortrag von Frau Professor Janin Henkel-Oberländer von der VII. Fakultät der UNI-Bayreuth in Kulmbach in der Kommunbräu. Einleitend stellte die Referentin fest, dass die Dysbalance zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch des modernen Menschen eine der wesentlichen Ursachen für gesundheitliche Probleme unserer Zeit sei.
Nach Ansicht der Biochemikerin würden Phytochemicals immer bedeutender in der Forschung: Diese sekundären Pflanzenstoffe wie z.B. Polyphenole haben oft anti-oxidative Eigenschaften und können sich schützend auf zellulären Stress auswirken. Kohlenhydrate dienen hauptsächlich der Energieversorgung. Die daraus freigesetzte Glucose kann im Körper gespeichert werden, aber wenn zu viel verfügbar ist, kann sie auch in Fettsäuren umgewandelt werden. Ballaststoffe fördern Fermentationsprozesse im Darm und vermindern die Aufnahme toxischer Stoffe. Sie beugen Diabetes, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Proteine werden in Aminosäuren verdaut. Diese können zwar auch zur Energieversorgung dienen, sind aber vor allem wichtige Bausteine für den Aufbau unserer Zellen und Gewebe. 9 von 20 Aminosäuren müssen mit der Nahrung aufgenommen werden
(essentielle Aminosäuren), die anderen können bei Bedarf auch aus Glucose oder Lipiden gebildet werden. Der Bedarf an Proteinen steigt mit zunehmendem Alter auf etwa 1 g Nahrungsprotein pro kg Körpergewicht täglich. Hohe Proteinquellen sind z.B. Handkäse und Hüttenkäse, als Mahlzeiten mit hohem Proteingehalt gelten z.B. Ofenkartoffeln mit Quark oder Bratkartoffeln mit Ei. Eine Portion davon deckt bereits fast die Hälfte bzw. ein Drittel des täglichen Proteinbedarfs. Die Proteinqualität ist z.B. bei Weizen gering, bei Vollmilch, Ei, Handkäse oder Hüttenkäse im Vergleich hoch. Lipide (Fette und fettähnliche Substanzen) brauche jede Zelle; weniger als 30 % des Gesamtenergiebedarfs solle durch Lipide gedeckt werden, davon jedoch nur ein Drittel aus gesättigten Fettsäuren wie Palmin oder Kokosfett aufgenommen werden, der Rest durch ungesättigte. Die Fettsäurequalität spiele eine große Rolle: Es gibt einfach (Olivenöl, Rapsöl) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (andere Pflanzenöle, Nüsse). Bei Letzteren wird zwischen Omega 6- und Omega 3-Fettsäuren unterschieden. Empfohlen wird eine reduzierte Aufnahme von Omega 6-Fettsäuren wie Sojaöl, Sonnenblumenöl, Fleisch, Milch; stattdessen eine erhöhte Aufnahme von Omega 3-Fettsäuren, enthalten in Leinsamenöl, Hanföl oder Lachs, Hering, Makrele. Aus einem Übermaß an Omega 6-Fettsäuren können Entzündungsprozesse begünstigt werden. Bei zu hohem Verzehr von Lipiden mit der Nahrung entsteht Fettleibigkeit und überschüssige Blutfette lagern sich auch in der Leber ein, was zu
einer Insulin-Resistenz führen kann, d.h., der Körper reagiert nicht mehr auf das produzierte Insulin. Diese metabolische Dysfunktion ist der Forschungsschwerpunkt von Prof. Henkel-Oberländer.
Ursachen dieser Fettlebererkrankung, von der 20 – 30 % der Erwachsenen betroffen seien, lägen vielfach in der Ernährung: Für die erhöhte Aufnahme von Zucker (Fructose) seien oftmals Softdrinks verantwortlich. So enthalte ein Glas Apfelsaft 14 g Fructose und 0,5 g Ballaststoffe – ein Apfel zum Vergleich 10 g Fructose und 5 g Ballaststoffe! Die Fructose des Apfels könne im Dünndarm verwertet werden, die aus dem Smoothie oder dem Apfelsaft dagegen komme direkt in die Leber. Eine verordnete Reduzierung des Zuckergehaltes von Lebensmitteln sei bisher u.a. an erfolgreicher Lobbyarbeit gescheitert.
Ein kritischer Stoff bei der Ernährung sei auch Cholesterol, ein lebenswichtiger Stoff, der eine Vorstufe für Vitamine, Hormone und Gallensäuren ist. Empfohlen seien weniger als 300 mg täglich, ein mittelgroßes Ei enthalte jedoch bereits 200 mg, 100 g Wurst zwischen 100 und 200 mg, Käse dagegen nur 35 mg. Zu viel Cholesterol verstärkt die Fettlebererkrankung und führt zu Ablagerungen in der Leber und in den Gefäßen.
Das Motto des Vortrags aufgreifend schloss die Referentin mit einem Hoch auf die Vielfalt und der Empfehlung „essen Sie bunt“!